Wie wirkt sich Lichtverschmutzung auf die Natur aus?

 

Der Tag- und Nachtrhythmus prägt das Leben auf der Erde im hohen Maße. Licht sowie die Abwesenheit von Licht ist der stärkste natürliche Zeitgeber. Alle Lebewesen sind auf den biologischen Tag- und Nachtrhythmus ausgerichtet. Lebewesen brauchen Dunkelheit und Licht zum Abgleich mit der Außenwelt sowie zur zeitlichen Orientierung. Künstliche Lichtquellen stören das System, sodass dies gravierende Folgen für alle Organismen nach sich zieht. 

 

Pflanzen - mehr Licht, weniger Leben 

Pflanzen stellen mithilfe von Sonnenlicht aus Wasser und Kohlendioxid wichtige Zuckerverbindungen her. Dadurch sind Pflanzen sogenannte Primärproduzenten. Die durch Sonnenenergie produzierten Moleküle stellen für alle Tiere die grundlegenden Stoffwechselbausteine dar. Aber Pflanzen brauchen neben Licht auch Dunkelheit. Sie müssen sich ähnlich wie wildlebende Tiere auf den kommenden Jahreszeitenwechsel vorbereiten. Dazu zählt die damit einhergehende Anpassung des Stoffwechsels. Hierbei orientieren sich Pflanzen an die jeweiligen Tages- und Nachtzeiten. Eine künstliche Tagesverlängerung aufgrund von Beleuchtung hat für Pflanzen erhebliche Auswirkungen. 

 

Beispielsweise lässt sich ein verfrühter Laubaustritt und ein verspäteter Laubabwurf beobachten, wenn Stadtbäume in der Nähe von Straßenlaternen wachsen. Dadurch entsteht für die Bäume ein erheblicher Mehraufwand an Energie und führt langfristig zu Erschöpfungszuständen. Bei Wiesenblumen, die nachts künstlichem Licht ausgesetzt sind, entwickelt sich eine Blühhemmung. Die Blumen bilden weniger Blüten aus, die zudem später wachsen. Das führt zu einer eingeschränkten Samenbildung und wirkt sich deshalb nachteilig auf die Fortpflanzung aus. Zudem ist der Schwund nachtaktiver Insekten ein großes Problem für alle Pflanzenarten, die sich durch Bestäubung vermehren. 

 

Tiere - Lichtsmog bedroht Arten 

 Für die Tierwelt ergeben sich mannigfaltige Auswirkungen, wenn nächtliche Beleuchtung überhand nimmt. Lichtsmog greift in ökologische Systeme ein wie zum Beispiel in Wirt-Parasit-Beziehungen, Beute-Räuber-Beziehungen, räumliche Verteilungsmuster und Konkurrenznetze. 

Lichtverschmutzung trägt dazu bei, dass Arten aussterben. Trotz des beträchtlichen Wissensstandes hat Lichtsmog wahrscheinlich noch tiefgreifendere Folgen auf das Tierreich, als bislang erforscht wurde. 


Nachtaktive Insekten orientieren sich am Sternenlicht. Ungefähr 9 Millionen Laternen und unzählige andere Beleuchtungsobjekte entziehen den Lebensraum der Insekten. Sie können nicht mehr auf Partner- und Nahrungssuche gehen. Aufgrund der erheblichen Desorientierung verenden viele Tiere beim Umherschwirren um Leuchtobjekte. Zudem verbrauchen Sie dabei zu viel Energie, um sich erfolgreich fortpflanzen zu können. Auch die Bestäubungsleistung ist deutlich gehemmt, sodass Dreiviertel aller Blütenpflanzen durch die ausbleibende Bestäubung leiden. 

Lichtsmog irritiert Vögel, weil sich beispielsweise Zugvögel in der Nacht nicht mehr am Sternenhimmel zurechtfinden. Die Orientierung fehlt, denn das künstliche Licht beeinträchtigt die Wahrnehmung. Vögel verändern ihr Fortpflanzungs- und Singverhalten. Für viele Küken bedeutet das frühe Schlüpfen den Tod, da noch nicht genug Nahrung zu finden ist. 

Lichtquellen können für im Wasser lebende Tiere zur Gefahr werden. Meeresschildkröten sterben, weil sie das künstliche Licht nicht von glitzerndem Wasser unterscheiden können. Beleuchtete Brücken stellen für Fische unüberwindbare Hindernisse dar, sodass zum Beispiel Lachse durch Lichtverschmutzung beim Wandern eingeschränkt werden.